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02
Aug

Name-Doping

Im Nachhinein wundert es nicht. Dennoch war die aktuelle Pressemeldung des Deutschen Bühnenvereins sehr beschmunzelnswert. Wird darin doch die deutsche Wirtschaft aufgefordert, ihr Engagement im Sponsoring zu überdenken. Die deutsche Wirtschaft sponsort nämlich Sport und Kultur. Und mit großer Wahrscheinlichkeit Sport mehr als Kultur. Das hat Gründe, die einfach darin zu suchen sind, dass Sportsponsoring einfach öffentlichkeitswirksamer ist und damit auch normalerweise als effektiver eingeschätzt wird. Einer Tour de France steht keine Tour de Culture gegenüber. Obwohl mit “Young Euro Classics” in Berlin, Hamburg und China fast etwas ähnliches geboten wird und den geneigten Lesern des Blogs ans Herz gelegt sein möchte.

„Wer den Sport und seine Doping-Misere satt hat, sollte an die Kunst denken“, so Rolf Bolwin, Direktor des Bühnenvereins, heute in Köln. Kunst und Kultur stehen für Innovation, Kreativität und Diskursfähigkeit. Kaum etwas kann daher das Ansehen von Unternehmen besser steigern als eine private Förderung des künstlerischen Schaffens in unserem Lande. [Quelle: Bühnenverein]

Die Frage wäre aber ernstlich zu stellen, ob es Doping-Probleme im Kulturbereich nicht auch gibt, nur fehlt es an Kontrollen. Da hätten wir zum Beispiel Name-Doping.

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19
Jul

Die neue Harmlosigkeit

Durch Zufall einen Blick in einer der 70er-Jahre-Shows gemacht. Hape Kerkeling mit Kinderschampoo und dem passenden Song dazu. Im Studio die Schrowange und zwei Prinzen. Alte Zeugnisse werden hervorgekramt. Eine Damals-Sendung. Nun stelle man sich das mal vor, gespielt in den 70er Jahren, eine 40er-Jahre-Sendung. Zu Gast jemand wie Filbinger oder der musikalische Leiter des “Blauen Bocks”, Franz Grothe. Der hätte dann gesagt, so wie man es in einer Jubilierung zu seinem 90. Geburtstag bei der GEMA nachlesen kann:

“Zusammen mit Georg Haentzschel gründet Grothe 1942 trickreich ‘mit höchster Billigung’ das legendäre Deutsche Tanz- und Unterhaltungsorchester. Grothe will, ohne das Verbot der Nazi-Funktionäre herauszufordern, so modern wie möglich Musik machen: ‘Swingmusik frisierten wir in Arrangements um, die etwas entschärft, aber dennoch Swingmusik waren.'” (Quelle) [Anm.: Es war dies vor allem auch eine Form der sprachlichen Umbenennung. Statt Swingmusik nannte man es “beschwingte Musik”. ]

Sein Verlag, Sikorski, macht dagegen einen schönen weiten Bogen um diese Zeit. In der Wikipedia ist er von “1940 bis 1945 (…) in Berlin Chef für das Deutsche Rundfunk-Tanz- und Unterhaltungsorchester.” Und verantwortlich in der Abteilung “gehobene Unterhaltungsmusik” 1942 für das Wunschkonzert. Was hätte der zu plaudern gehabt. Wie er die Nazis gelinkt hat mit seiner Art musikalischen Umgangs? Continue reading ‘Die neue Harmlosigkeit’