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09
Dec

Eine kleine Stockhausen-Geschichte

Ich kann nicht genau sagen, wann ich das erste mal den Namen Stockhausen gehört habe. Sicher war es noch in der Schule, Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Die Musik, die zu diesem Namen gehörte, was nicht ganz leicht zugänglich. Am ehesten ging es noch über einer Schallplattenreihe der HörZu (zusammen mit der Deutschen Grammophon?), die unter dem Titel Avantgarde in mehreren Schubern aufgelegt wurde und in der örtlichen Bibliothek zur Ausleihe stand. Mit dabei gewesen sein muss das Stück “Stimmung” aus den 60er Jahren. Eine Art Meditation über einen Akkord für sechs Stimmen. Bestimmt eine Stunde lang der gleiche Akkord, in sich selbst leicht abgewandelt. Es gehörte zu den frühen Höreindrücken auch der “Gesang der der Jünglinge” aus den 50er Jahren. Elektronische Musik mit einer Knabenstimme, die an eine bestimmten Stelle “Prei-ei-set der He-e-rren” singt. Beide Stücke erstaunten mich und faszinierten mich. Man kann sie fast nicht einem Autoren zuordnen, zu unterschiedlich ist die Klanglichkeit.

Auf einer anderen Platte waren auch die elektronischen Studien neben einem bekannten Stück von Eimert. Über die anderen Stücke aus den 50er Jahren wusste ich wenig. Sie wurden einer “seriellen Technik” zugeordnet mit der ich wenig anzufangen wusste. Aber diese Technik war faszinierend genug. Und die Lektüre des Werkes “Wie die Zeit vergeht” in der Reihe edition text + kritik ließ mich zumindest noch einmal nachdenken, was denn da passiert war. Continue reading ‘Eine kleine Stockhausen-Geschichte’

10
Oct

Sankara

Beeindruckendes Feature über Thomas Sankara im Deutschlandfunk gestern. Darin Ausschnitte seiner Rede von 1984, am Ende kommt er auf Novalis zu sprechen. Damit wohl eine Zukunft seines Landes andeutend. Er hat es so eingeleitet (zitiert aus dem Manuskript): “Ich bin hierher gekommen, um jeden von Ihnen zu fragen, wie wir gemeinsam unsere Anstrengungen verstärken können, damit dies traurige Schauspiel der verhungernden Kinder aufhört, damit die Dummheit verschwindet, damit die legitime Rebellion der Völker triumphiert, damit der Lärm der Waffen schweigt, und wir mit einem einzigen und demselben Willen für das Überleben der Humanität kämpfen, um endlich dahin zu gelangen, mit dem großen Dichter Novalis im Chor zu singen.”

Dann werden die Gestirne die Erde wieder besuchen, der sie gram geworden waren in jenen Zeiten der Verfinsterung; dann legt die Sonne ihren strengen Zepter nieder, und wird wieder Stern unter Sternen, und alle Geschlechter der Welt kommen dann nach langer Trennung wieder zusammen. Dann finden sich die alten verwaisten Familien, und jeder Tag sieht neue Begrüßungen, neue Umarmungen; dann kommen die ehemaligen Bewohner der Erde zu ihr zurück, in jedem Hügel regt sich neu erglimmende Asche, überall lodern Flammen des Lebens empor, alte Wohnstätten werden neu erbaut, alte Zeiten erneuert, und die Geschichte wird zum Traum einer unendlichen, unabsehlichen Gegenwart.
[Novalis: Die Lehrlinge zu Sais. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 418684 (vgl. Novalis-HKA Bd. 1, S. 86-87) http://www.digitale-bibliothek.de/band125.htm ]

So eine Revolution. Bisher war mir Thomas Sankara nicht ein kleinster Begriff nur. Und so danke ich dem Deutschlandfunk dafür, dass er solche Sendungen im Programm hat, die einen immer wieder überraschen können.