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13
May

Auferstehung der Musikindustrie

Musikindustrie.

Kein Anschluss unter dieser Nummer. Sie sendet nur. Vor wenigen Tagen habe ich eine CD nach Bestellung erhalten, die den Titel “Starke Stimmen gegen Rechts – DEMO TAPE” trägt. Diese CD wird nicht verkauft, sondern verteilt. Man sie bestellen und bekommt sie gegebenenfalls im Klassensatz geliefert. Unter den vertretenen Musikern Silbermond, Keimzeit, Jan Delay, Die Toten Hosen, Sportfreunde Stiller …

Das DEMO-TAPE ist eine Initiative von “Gesicht Zeigen! für ein weltoffenes Deutschland”, den Internetportalen “Mut gegen rechte Gewalt” und “blick nach rechts”, dem “jüdischen Museum Berlin” und der “deutschen Musikindustrie”.

So steht es im Booklet und man muss sich diese Aufzählung besser wirklich laut vorlesen – muss man dem Bundesverband Musikindustrie lassen, Lobbyarbeit kann er.

Ich habe nun eine Mail an den Bundesverband Musikindustrie verfasst, in der ich frage: Ist es erlaubt, diese CD jenseits des offiziellen Bestellformulars zu kopieren oder über Tauschbörsen zu verteilen. ((Auf der CD steht fast unleserlich klein, silber in hell, dass unauthorisierte Dinge “prohibeted” seien.)) Eine Antwort habe ich leider noch nicht erhalten, so wenig wie zu harten Zahlen, die “Erträge” aus den Tausenden Abmahnverfahren und ihrer Verwendung zu ermitteln. Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Da ich nicht im Besitz irgendwelcher Tauschbörsen-Software bin, wäre ich aber doch interessiert, zu erfahren, ob diese CD auch auf diesem Weg Verbreitung findet.

Was mich daneben allerdings noch mehr erstaunt, ist, dass der Begriff der Musikindustrie in rechten vielen Kreisen längst einen guten, mindestens gewöhnlichen Klang, erhalten hat. In der Politik sowieso (siehe Kanzler, siehe CD-Unterstützer), siehe auch den Kommentar von Manfred Gillig, Chefredakteur der Musikwoche oder vom Musikmarkt – ich kann die beiden Unernehmungen leider nicht auseinanderhalten.

sein Verschlag zum Abruck von Seiten eines Buches aus dem Beck-Verlag zwecks Zugänglichmachung ist ja nun ganz ulkig. Doch zumindest nicht falsch. Aber er wird von der falschen Seite erhoben. Die ganze Diskussion empfinde ich mittlerweile als vollkommen unsinnig. Denn sie setzt schon Dinge voraus, die ja nicht unbedingt der “Fall” sein müssen. Sie setzt mindestens voraus und zementiert es mit diesem Verhalten, dass Interaktionen von Menschen zwingend und notwendig in Geldwerte übersetzt werden müssen, ferner, dass dieser einen “gerechten” Tausch garantiert – und zwar nur der. Nur auf dieser Weise kann eine “Ästhetik-Industrie” überhaupt existieren. Aber auch einen Krankenpflege-Industrie und eine Politik-Industrie. Dieses Denkungs- und Verdenkungsweise hat sich über zahllose Diskurse gelegt und sie längst unterwandert. Mit der gleichen Macht, mit der einst der “Jargon der Eigentlichkeit” das Denken in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg durchweht hat. Ideenverkäufer

01
May

Endlich mal eine kleine Eskalation

Wenn die kleinen Einfaltspinsel sich noch so sehr über die Geschicke der Musikindustrie äußern, so wird das kaum als ein ernsthafter Angriff gewertet. Darüber muss man sich nicht wundern, es ist einfach so. Wenn dann aber in einem Blog des Beck-Verlages ein Medienspezialist und Autor einschlägiger Publikationen zum Thema Medien und Internet äußert, dann kann es passieren, dass auf diese Weise eine Reaktion provoziert wird.

Prof. Dr. Hoeren ärgert sich dort über den Offenen Brief der Musikindustrie. “Ich habe langsam die Nase von den Frechheiten der Musikindustrie voll,” schreibt er da. Und er wirft der Musikindustrie unsaubere Recherchen vor, falsche Vergleiche; insgesamt eine vergleichsweise undifferenzierte Denkungsart.

Und erstaunlicherweise reagiert die Musikindustrie in den Worten des Geschäftsführers des Bundesverbandes Musikindustrie, Stefan Michalk. Der ärgert sich nämlich zurück.

Gerade der Brief fordert den fairen Ausgleich der Interessen aller Beteiligten. Wir sind bereit diese Diskussion mit Argumenten zu führen. Mit der von Ihnen formulierten Polemik, ist das nur schwer möglich. [Stefan Michalk, Geschäftsführer Bundesverband Musikindustrie]

Stefan MichalkMit Argumenten eine Diskussion führen ist aber auch nur die eine Seite, mit guten Argumenten die Diskussion führen, wäre mir schon lieber. Ich persönlich finde es erstaunlich genug, dass man sich überhaupt wieder heraus traut. Denn im Internet vernünftig diskutieren zu wollen, ist ziemlich schwierig, wo nicht unmöglich. Aber wenn die widerstreitenden Hähne jeweils nur in ihrem Kampfgebiet unterwegs sind, bewegt sich gleich schon gar nichts.

Ob sich so etwas bewegt, das bleibt eine offene Frage, dauerhaft. Eskalation der Nichtkommunikation wäre jedoch wesentlich unangenehmer.