14
Feb
08

Selbstreferrentielles

Ein gutes Blog, also mindestens eines, welches in Blogland irgendwie existieren will und anerkannt werden sein möchte ((Hey, ich habe täglich so um die 20 bis 60 Besucher, mich eingeschlossen)), muss manchmal über sich selbst reflektieren. Heute mal wieder im neuen Gewande. Man ist schließlich keine Marke und muss nicht. Als Thema läuft da ein glossyblue-Theme wie der WordPresser wohl sagt. Und die Freundlichkeit gegenüber Menschen gebietet es, hier einen Link zu den Machern zu setzen. Das war bestimmt viel Arbeit, danke sehr.

google brdBei der Gelegenheit habe ich auch das Google-Analytics-Zeug auf den zarten Hinweis von Semmel hin deinstalliert. Rückblickend muss dazu festgestellt werden: Eine außerordentliche Einrichtung dieses Google-Zeug. Man hat erstaunlich viel Informationen über manches. Wo kommt wer her, wie lange ist wer da, wo steigt wer ein, wo steigt wer aus. Bei mir, wo ja nicht viel los ist, kennt man sich dann fast schon. Semmel hat aber recht, wenn er aus der Gruft mahnt. So geht das nicht. Beiliegend ein Screenshot der Besucherströme seit Oktober 2007. Aus dem Osten kommt kaum jemand, es sei denn man zählt, wie man es vorschlagen müsste, Berlin dazu. Auch Niedersachsen, das Land meiner Jugend scheint dünn besiedelt zu sein. Hamburg hingegen rockt wie verrückt – das kann ich mir nun gar nicht erklären. Ich selbst bin leider fast nie dort und gleich gar nicht zum Surfen.

Dafür ist was neues endlich installiert worden, das Plugin Intypo von Darius Dunker. Endlich gibt es richtige Typo für Anführungs- und Abführungszeichen. So etwas habe ich schon ewig gesucht, aber nie bin ich fündig geworden. Jetzt gehts besser. So etwas ist ja eine Kleinigkeit, aber eine extrem ärgerliche, weil permanente und andauernde. Webtypographie ist ohnedies ziemlich eigenartig und auch diese Schrift hier dürfte wieder viel zu klein sein.

So, und dann das mit dem Brockhaus, was seit einigen Tagen durch die Presse und die Blogs gejagt wird, dass die online gehen wollen und die einen wieder vom toten Holz reden.

Das ist die quasi ausgedruckte Wikipedia, die man nicht verlinken und nicht editieren kann, Modell 19. Jahrhundert. [Robert Basic]

Dagegen beschreibt sogar Johnny Haeusler im Spreeblick erstaunlich unaufgeregt die Sache.

Ich finde es erstaunlich, mit welcher Selbstsicherheit gerade diejenigen, die doch oft für eine Öffnung bisher konservativer Unternehmen in Richtung Netzgemeinde plädieren, diesen Firmen jede Überlebenschance absprechen, sobald sie die gewünschte Öffnung vollziehen. [Johnny Haeusler im Spreeblick]

Ja, das kann man sich fragen. Und man kann sich fragen, ob und warum bei diesem Anlass das Zeitungsholz (auch im Netz) die immer gleichen Ressentiments gegenüber Bloggern äußern. So im Tagesspiegel heute Caroline Fetscher.

Einstweilen befasst sich das Gros der Internet-User eher mit privaten Ebay-Geschäften und Online-Gebrauchtwagenanzeigen, mit Kochtipp-Websites, hypochondrischen Gesundheits-Chatrooms, Ressentiments verbreitenden Bloggern, Elektronik-Erotik, religiösen, fundamentalistischen, politisch-ideologischen Verschwörungstheorien anonymer Internet-Leader und haufenweise anderem Mist mehr. [Quelle]

Die Auflistung wirkt ja geradezu eine Parade einer aufsteigenden Verelendung des Internets. Dass da “Blogger” unbedingt hineingehören, gehört wohl zum guten Ton der Selbstbewahrer. Kennen wir alles, ist alles Käse. Eigentlich kein Wunder, andersherum wird genug mit ähnlichen ‘holz’schnittartigen Argumenten hantiert. Man liebt sich einfach wenig. Beide Fraktionen halten sich gegenseitig für eine Art Untergang oder schon Untergegangenes.

Den gemeinen Rest der Blogger dürfte das ohnehin alles kalt lassen. Selbstreferrentiell ist man schnell bei sich, selbstkritisch eher seltener. Ist auch nicht unbedingt förderlich. Johnny Haeusler ist da eine große Ausnahme auf der Blogfläche. Aber sagt mal, ihr da von re:publica, sind bei euch auch Blogger als “Journalisten” oder “Pressevertreter” akkreditierungsfähig. Oder nur Fernsehen und FAZ und so?