1999 ff. martin hufner, regensburg
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Marilyn Crispell, Gary Peacock, Paul Motian: Amaryllis
ECM 1742 013400-2
Wieder ein Klaviertrio aus dem Musikerpool von ECM. Die meisten Stücke
schreiten in langsamem Grundtempo durch ein relativ flexibles Harmonie-
und Rhythmusgeflecht: tastend, behutsam und ernst. Nur selten findet man
einen sicheren Halt beim Hören, so dass Langsamkeit und Beweglichkeit
sich höchst kunstvoll durchdringen. Das Klavierspiel von Marilyn
Crispell trägt nirgends dick auf, sondern ist in einem positiven
Sinn leer. Dagegen steht dann Paul Motians hoch sublimes und eigensinniges
Schlagzeugrauschen. Wie befruchtend diese Spielweisen sich durchdringen,
merkt man besonders beim recht gradlinigen letzten Stück der Platte
„Prayer“ von Mitchell Weiss. Das homophone Spiel von Crispell
und Peacock wird kontrapunktiert durch Paul Motians Knapp-neben-der-Zeit-Liegen
und dadurch stimmt’s dann. Diese Technik geht bei den komponierten
Stücken besser auf als bei den improvisierten: Klanglich wirken die
komponierten Stücke befreiter als die improvisierten.