09
May
08

Propaganda als Tat

Heute ein wenig in einem Buch gewälzt, in dem ich sogar zitiert bin, wenn auch nur in Fussnoten. Das erhöht dei wissenschaftliche Reputation jedenfalls ungeheuer. Kann man sich ja denken. Der Ruf an eine amerikanische Universität im mittleren Westen dürfte unaufhaltsam folgen.

Aber bei Studenten, die sich etwas wie mein MeinProf.de einfallen lassen, weiß ich auch nicht, ob das ein so prima Ziel wäre. Nicht die Angst vor Bewertungen wäre problematisch. Nein, die Denkungsweise. Jetzt hat der Berliner Datenschutzbeauftragte ein Knöllchen an die Macher verteilt. Man kann es in taz und Berliner Zeitung nachlesen. Die Angelegenheit ist an sich nicht wild, meinprof.de ist für ein großes Thema zu irrelevant. Mich interessiert eher die moralische und sprachliche Seite des Falles, nicht die juristische:

Trotz dieser und vergleichbarer gerichtlicher Entscheidungen hat es sich der Berliner Datenschutz zur Aufgabe gemacht, den studentischen Initiatoren des Projektes das Leben schwer zu machen. Die Behörde will zwei Ordnungswidrigkeiten entdeckt haben, welche jeweils mit bis zu 25.000 € bestraft werden können. [Quelle: Blog von MeinProf.de]

Als ob der Datenschützer von Berlin es nur auf die Initiatoren abgesehen hätte, nein, auf die “studentischen” Initiatoren. Den Studis sind arme Würste und haben besonderen grundgesetzlichen Schutz vor der Beobachtung durch Datenschutz und andere Widrigkeiten. Wenn das eine Firma wäre, die genauso im Wettbewerb stünde, da wäre alles anders. Aber Studenten? In einer aufopferungsvollen Mission im Dienst an der Menschheit unterwegs? Kommentator Thomas K. fragt einen Kritiker: “@Peter K.: Dann erzähl doch mal, wie man den Betrieb einer solchen Seite ohne Werbung oder Mitgliedsbeiträge (die ja nun auch keiner will, oder?) finanzieren soll?” Dieser Argumentationsweg spiegelt die neue Sprache des Denkens wieder. Erlaubt sei alles, solange man es finanzieren könne. Einen anderen, etwa moralischen Anspruch, hat man nicht zur Auswahl.

In den Zeitungsartikeln werden die Vorwürfe vorgetragen. Denen mag man zustimmen oder nicht. Die Antworten seitens Meinprof.de sind ärgerlich. Damit stiehlt man sich nämlich aus der Verantwortung. So wird gefordert, dass nur diejenigen eine Veranstaltung eines Profs beurteilen dürften, die auch daran teilgenommen haben – dafür reicht es aus, dies stichprobenartig zu überprüfen. Liegt eigentlich nahe. Die Antwort:

“Ob ein Student in einem Kurs war, wissen nicht mal die Dozenten”, sagt Pannhorst dazu. “Wie sollen wir das kontrollieren?” (Quelle: Berliner Zeitung)

Nichts zeigt so deutlich an, wie wenig es tatsächlich um eine annähernd sinnreiche Dozentenbeurteilung geht. Die Daten sind möglicherweise zufällig, nicht verifiziert, nicht vergleichbar. Wenn Studenten so benotet werden würden, sie wären nicht glücklich. So etwas soll es geben.

Und der Hinweis, man müsse im Endeffekt die Seite abschalten, wenn man den Anforderungen nicht erfüllen könne, drückt wenig Tränen in die Augen des Betrachters. Denn was hieße es im Umkehrschluss. Dass man mit Daten umgehen kann, wie man will, bloss weil man die technischen und organisatorischen Leistungen nicht erbringen kann. Möchten die studentischen Initiatoren von MeinProf.de, dass so mit ihren Daten verfahren werde (oder mit denen ihrer Freunde, Verwandten, Nachbarn …)?